Dienstag, 31. Juli 2007

Kennzeichen D FRY


Des deutschen liebsten Kind ist das Auto. Das ist auch in Ost-Friesland nicht anders. Während in Deutschland viele Kraftfahrzeuge das D als Aufkleber auf ihrem Heck spazieren fahren, sieht man in Ost-Friesland viele Autos, die statt des D ein anderes Kürzel im weißen Oval mit schwarzem Rand tragen.

Als Ausdruck der Zugehörigkeit zum Volk der Friesen, welches von der holländischen Provinz Friesland, über Ost-Friesland bis nach Nordfriesland in Schleswig-Holstein beheimatet ist, finden sich hier sehr viele PKW, die einen FRY-Aufkleber haben (Auf dieser Seite in der rechten Sidebar kann man zum Beispiel so einen Aufkleber bestellen, ein Foto findet sich dort auch). Zusätzlich gibt es Aufkleber, die auf EU-Kennzeichen passen, und dort die blaue EU-Fahne am Rand mit Nationenkürzel (D oder NL) überdecken, so dass stattdessen dort FRL in den Sternen der Europaflagge zu lesen ist. Der Grund für zwei verschiedene Abkürzungen liegt wahrscheinlich darin begründet, dass hier zwei Leute zur selben Zeit ähnliche Ideen hatten. Die Abkürzung FRL ist übrigens auch in der Wikipedia-Liste der Nationalitätskennzeichen zu finden.

Auch wenn man sich über das Kürzel uneinig ist, so besteht doch ein großer Zusammenhalt zwischen den Völkern in den verschiedenen Nationalstaaten. Das kann man wohl am besten mit den Basken vergleichen, bei denen das von ihnen bewohnte Gebiet Teil von Frankreich bzw. Spanien ist. Anders als die Basken haben die Friesen aber keine Untergrundorganisation, die militant für die Unabhängigkeit und Einheit ihres Volkes gekämpft haben.

Der Kampf des Friesen findet eher auf einer anderen Ebene statt und wird mit dem einfachen, aber probaten Mittel der Sturheit ausgefochten. Das hat zwar seit mehr als einem Jahrtausend nicht zu einer Eigenstaatlichkeit geführt, half aber sehr wohl durch stures Ignorieren und Umgehen der Anweisungen der wechselnden Obrigkeiten. Trotz der nominellen Zugehörigkeit zu einem Staatsgebiet war Friesland viele Jahre sehr wohl de facto autonom und hat sich somit seine kulturelle Unabhängigkeit bewahrt. Aber das ist etwas für einen eigenen Beitrag.



Montag, 30. Juli 2007

Lindas Beerdigung




Als ich neulich bei Peter vom möglicherweise bevorstehenden Tod der Kartoffelsorte Linda gelesen habe, kam mir sofort dieses Bild in den Sinn...


Moin! und Munter!


Erstbesucher der ost-friesischen Halbinsel sind manchmal ein wenig irritiert, wenn sie beim abendlichen Betreten eines Krugs (= Kneipe, Gaststätte) vom Wirt mit Moin! begrüßt werden, da sie die Grußformel Moin aufgrund der phonetischen Ähnlichkeit vom hochdeutschen Morgen! herleiten. Das ist falsch und es wird Zeit, diesen Irrtum aus der Welt zu schaffen.

Moi (mit langem o) ist der plattdeutsche Ausdruck für gut oder schön (und kann übrigens fast so häufig als Ausruf gehört werden wie Heij und Hou), moin bedeutet dementsprechend guten oder schönen und ist somit als universelle Abkürzung für Moin Dag (sprich Moijn Dach, wobei das ch ein ordentliches Grollen im Rachen erzeugen sollte) oder Moin Morgn (mit nahezu stimmlosem gn). Wenn man also um Mitternacht mit Moin! begrüßt wird, dann wünscht der Begrüßende also einen Guten was-auch-immer. In manchen Regionen wird auch Moin Moin benutzt, das kann durchaus von Ortschaft zu Ortschaft variieren.

Moin
ist dabei klassenlos und wird unabhängig von der gesellschaftlichen Stellung verwendet. Der Richter im Gerichtssaal oder der Polizist bei der Verkehrskontrolle kann damit ebenso begrüßt werden, wie der Ehepartner oder beste Freund. Je kleiner die Ortschaft ist, desto eher sollte man jeden mit Moin grüßen, der den eigenen Weg kreuzt oder den man passiert. Dabei ist es unerheblich, ob man die betreffende Person kennt oder nicht. Nicht-Grüßen wird als non-verbale Ablehnung aufgefasst und sollte vermieden werden.

Wichtig: Auch als Gast sollte man sich immer bemühen, ebenfalls Moin zu verwenden, auch wenn es an der perfekten Betonung noch hapern sollte. Auf jeden Fall vermeiden sollte man als Grußformel Guten Tag, da dies gerne als reserviert oder sogar unfreundlich empfunden wird. Guten Tag verbinde ich zum Beispiel sofort und unbewusst mit einer Vielzahl von Szenen aus dem Fernsehen, wo nach einem Disput einer der Streitenden mit einem kalten Guten Tag den Raum verlässt.

Super-GAU ist natürlich, wenn beides zusammen kommt: Unverständnis dem Moin gegenüber und Guten-Tag-Skepsis. So mehrmals geschehen beim Besuch in Behbies Herkunftsland Sachsen-Anhalt. Mein Moin wurde dort mit Stirnrunzeln entgegengenommen (sofern es nicht morgens war und das gegenüber Morjen verstanden hat) und mit einem höflich gemeinten, aber als unfreundlich verstandenen Guten Tag! (oder nach dortiger Phonetik eher: Judn Tach!) quittiert. Das Behbie versteht es übrigens wie keine zweite sich zwischen Moin und Judn Tach zu winden und kann sich hervorragend dem Gegenüber anpassen.

Ich benutze Moin übrigens ohne Rücksicht auf die Herkunft oder den Stand meines Gesprächspartners, jedenfalls solange das Gespräch auf Deutsch geführt wird. Grund dafür ist ganz einfach, dass der Gesprächspartner sein - im schlimmsten Fall - Servus oder Grüß Gott auch nicht zu meinen Gunsten ändern würde. Abgesehen davon wüsste ich ehrlich gesagt auch nicht, was ich sonst sagen sollte.

Hat man sich dann mehr oder weniger elegant durch das Gespräch bewegt und es Zeit für die Verabschiedung wird, lauert schon die nächste Falle. In einigen Regionen Ost-Frieslands ist es durchaus üblich Moin oder Moin Moin auch zur Verabschiedung zu sagen, hier in Jever und Umgebung tut es für den Gast allerdings am einfachsten ein Tschüß.

Weitere mögliche plattdeutsche Verabschiedungen sind Munter oder Munterhollen (= Munter bleiben, Halt die Ohren steif), All up stee (= Alles klar) oder für Vielredner Kumpelmenten in Huus (= Grüß zu hause; wörtlich übersetzt: Komplimente zu Hause).

Halten wir also fest: Guten Tag-Sagen mag ja nett gemeint sein, schafft aber beim Erstkontakt mit einheimischen Ost-Friesen unnötige Distanz. Moin kann und sollte man den ganzen Tag benutzen, gerade in kleineren Ortschaften kann man es gar nicht oft genug benutzen. Zur Verabscheidung ist die Auswahl größer, für diejenigen, die des Plattdeutschen nicht mächtig sind, empfehle ich Tschüß.


Hausaufgabe für meine Leser:


Ersetzen sie Guten Tag, Servus oder Grüß Gott in ihrem Wortschatz durch Moin und benutzen sie es bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Lassen sie sich durch die irritierten Blicke nicht aus der Ruhe bringen.


Sonntag, 29. Juli 2007

Design oder nicht sein

(Sorry für das Wortspiel...)

Gut, dass die Eltern vom kinT sich dazu entschieden hatten, sie auf die Design Schule zu schicken und ihr keinen anständigen Beruf aufgeschwatzt haben. Im letzteren Fall hätte sie sich vielleicht nicht hingesetzt und mir einen Alternativentwurf für mein Headerbild zu designen. Auch schön, wie sie meinen "charmant unperfekten" Zeichenstil nachgeahmt hat. Danke, Anna!





Neues aus Blogdorf - Negerhubertus


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Wer laut heraustönt, das etwas nicht mehr gesagt werden darf, der bewirkt damit oftmals das Gegenteil. Man wird den Eindruck nicht los, dass das in diesem Fall vielleicht sogar gewollt war. Die Betroffenen werden sich hoffentlich wehren.


Was ist Neues aus Blogdorf?




Freitag, 27. Juli 2007

Pickel






Donnerstag, 26. Juli 2007

Zeichnerische Reha-Maßnahmen


Damit ich mal wieder bei all dem Stress in letzter Zeit ein wenig ins Zeichnen reinkomme, habe ich einen neuen Header gestaltet. Ich bin noch nicht ganz zufrieden, aber ich hoffe dass das Grundkonzept gefällt.

Die BlogBrother-Abschlussparty (kennt das eigentlich noch jemand?) werde ich am Wochenende fertigstellen und die wird dann auch endlich hier zu sehen sein. Da das Behbie seit heute wieder im Krankenhaus liegt muss ich mit meinem Schlafrhythmus auch auf niemanden Rücksicht nehmen.

Neben der Party habe ich schon wieder unendliche viele Ideen, die ich hoffentlich auch alle bald umsetzen kann, bevor ich die nicht mehr so gut finde.



Dienstag, 24. Juli 2007

Schäuble dreht am Rad


Schaeuble! Wegtreten!

Unser lieber Innenminister macht ja schon seit längerem durch - vorsichtig ausgedrückt - eher bedenkliche Politik von sich reden. Jetzt kann man durch seine Unterschrift unter eine Online-Petition für den Abgang des "Ex-Innenministers in spe" votieren. Ich möchte alle Leserinnen und Leser meines Blogs bitten, dies zu tun.

Danke.




Montag, 23. Juli 2007

Heij Hou - Konnten die Ramones Plattdeutsch?


Wer schon mal einem plattdeutschen Gespräch gelauscht hat, dem wird vielleicht die auffällig häufige Verwendung der Worte Heij und Hou (gesprochen wie Hau nur mit o) gehört haben. Diese beiden Ausdrücken scheinen irgendwie immer zu passen und die meist mit kräftiger Betonung verwendeten Worte erinnern manchmal ein wenig an das Tourette-Syndrom.

Doch mittels dieser Worte kann sich ein mundfauler Plattsnacker (=Plattdeutschsprecher) durch ein ganzes Gespräch hangeln ohne dem Gesprächspartner gegenüber unhöflich zu werden.

Das liegt einfach daran, dass die beiden Wörter sehr viele Bedeutungen haben können und man diese nur im Kontext verstehen kann. Stehen Heij und Hou alleine, ist es noch einfach, denn Heij bedeutet Nein und Hou analog dazu Ja.

Es kann aber auch anderes bedeuten, und das tut es meistens. Beispielsweise erzählt jemand eine unglaublich weit hergeholte Geschichte, woraufhin der Zuhörer mit einem einfachen Heij mehr ausdrückt als einfach nur Nein (was in diesem Fall auch wenig Sinn ergeben würde). Dieses Heij steht dann für Das kann ich nicht glauben! oder Das ist gelogen! oder Wat'n Töddelmors! (= sinngemäß Was für ein Quatschkopf!, eigentlich ist Mors aber die Bezeichnung für den Hintern.) Steigerungsform von Heij ist übrigens Heij wat!, was die Aussage des Heij in die kontextsensitive Richtung verstärkt.

Beim Hou verhält es sich ebenso. Während Hou bei der Frage Wullt du noch een Tass Tee? (= Möchtest du noch eine Tasse Tee?) noch ein klares Ja bedeutet, erzählt das selbe Wort als Antwort auf die Frage Wie waart in Schkool wesen? (= Wie war es in der Schule?) die Geschichte von einem durchschnittlichen Schultag ohne besondere Vorkommnisse. Man stelle sich dieses Gespräch mal auf Hochdeutsch vor, wenn man Hou nur auf Ja beschränkt: Mutter: "Wie war es in der Schule?" - Kind: "Ja.". Ob die Dame sich da ein wenig veräppelt vorkommt?

Und ob die Ramones Urlaub in Ost-Friesland gemacht haben als sie ihren Text Hey ho, let's go geschrieben haben? Nein ja, lass uns gehen. Erinnert ein wenig an Meister Röhrich aus Werner. Nee ja, soll ich so tun?


Hausaufgabe für meine lieben Leser:

Anstelle von komplexen Antworten einen Tag lang nur Heij und Hou verwenden. Ihr werdet sehen, wie viel Zeit ihr dadurch gewinnt die ihr für Besseres Nutzen könnt. Für die Ramones zum Beispiel. Kramt die alten Platten raus oder ladet euch die Discografie herunter kauft sämtliche Platten der Band.



Sonntag, 22. Juli 2007

Ost-Friesland erklärt - Wichtige Bindestriche


Weil mir dazu viele Themen einfallen, eröffne ich hier mal die Reihe Ost-Friesland erklärt (ja der Titel ist dem grandiosen Blog USA erklärt entliehen, auch wenn ich die Qualität und den witzigen Stil von Scot wahrscheinlich nicht kopieren kann.)

Vorab schon mal die Erklärung, warum ich Ost-Friesland und nicht Ostfriesland schreibe. Ich wohne in Jever, das liegt in Friesland. Friesland liegt östlich von Ostfriesland, gehört aber nicht zu Ostfriesland, da es historisch gesehen Teil von Oldenburg ist. Friesländer reagieren deshalb auch ungemein empfindlich, wenn man sie unbedachterweise als Ostfriesen bezeichnet. Das wäre ungefähr so, als wenn man den Kölner als Düsseldorfer bezeichnet. Ostfriesland umfasst grob gesagt die Landkreise Leer, Aurich und Wittmund, sowie die Stadt Emden.

Dann gibt es noch Ost-Friesland, mit Bindestrich. Das bezeichnet im Allgemeinen die Halbinsel, die sich von Emden bis Wilhelmshaven erstreckt.

Ich als Jeveraner, also Friese, käme also niemals auf die Idee mich als Ostfriese zu bezeichnen, kann mich aber damit anfreunden als Bewohner Ost-Frieslands bezeichnet zu werden.

Alles verstanden? Gut, dann kanns ja losgehen.